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Besuch im Waisenheim Don Fraccari’s

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Eine CLUB ITALIA Geschichte zu Weihnachten!
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Ende September diesen Jahres besuchte CLUB ITALIA Berlin, vertreten durch den Präsidenten Mario Livolsi, das geschichtsträchtige (ehemals italienische) „Waisenhaus CASA PIO“ in Dahlem. Der pädagogische Leiter des Hauses, Herr Helmut Schmelzer und der Geschäftsführer Herr Michael A.Lencz hatten zu diesem besonderen Treffen geladen.
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Beide Einrichtungen, sowohl das Waisenhaus CASA PIO, als auch der italienische Fußballverein CLUB ITALIA verbindet ein und derselbe Gründergeist, denn Beide sind Zöglinge vom gleichen Gründervater, Monsigniore Don Luigi Fraccari. Eine als Geistlicher, wie auch als Mensch hervorragende Persönlichkeit aus Verona, der damals noch im Kriegsjahr 1943 als Seelsorger nach Berlin reiste, um seinen hier in Not geratenen Landsleuten, sowie italienischen Militärinternierten und ihren Familien helfend bei Seite zu stehen.
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Sein Weg war umgekehrt, während das Schicksal des Krieges viele Menschen und auch soziale Organisationen dazu veranlasste Berlin zu verlassen und bereits über 600 000 italienische Soldaten und Zivilisten in deutsche Gefangenschaft geraten sind, war der couragierte Don Fraccari stattdessen freiwillig und allein ins umkämpfte Berlin gereist.
Die Stadt, die zu dieser Zeit fortwährend bombardiert worden war, lag zunehmend in Trümmern. Waren die Lebensbedingungen für die Berliner Bevölkerung schon dramatisch, so waren sie für die Gefangenen gradezu unerträglich. Für Viele von Ihnen gab es keine Befreiung, sie überlebten das Kriegsende nicht.
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Wegen seines selbstlosen, fürsorglichen und sozialen Engagements als letzter offiziell in Deutschland verbliebener italienischer Pastor im 2. Weltkrieg, bis weit ins Nachkriegsdeutschland hinein, wurde er damals auch „Engel von Berlin“ genannt und erhielt später zahlreiche Auszeichnungen. Auch die Missione Cattolica in Berlin war 1950 unter seiner Obhut gegründet worden.
Den heutigen Vorsitzenden des Waisenhauses und des italienischen Fussballclub’s war die eigene Entstehungsgeschichte ihrer jeweiligen Einrichtung gut bekannt, doch an diesem wunderbaren Tag stellte man trotz jahrelanger Funkstille fest, keiner hatte sie vergessen. Schon nach dem ersten Telefonat war man schnell übereingekommen, sich zeitnah zu treffen und mit einer ersten freundschaftlichen Begegnung wie Halbbrüder auch die verloren gegangenen Beziehungen wiederzubeleben, womit sie gleichzeitig auch den gemeinsamen Gründervater würdevoll geehrt haben dürften.
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Nach Fraccari’s Italien Rückkehr im Jahre 1977 und seinem Ableben im Januar 2000 waren die Kontakte zwischen den brüderlichen Einrichtungen allmählich eingeschlafen. Eine neue erste Kontaktaufnahme mit der Waisenhausleitung erfolgte nach dem Tod vom ehemaligen Mitbegründer und ersten Präsidenten von CLUB ITALIA Berlino, Cavalliere Andrea Fusaro und der anschließenden Neuaufstellung CLUB ITALIA’s im Januar 2019.
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Die kurz darauffolgende Coronazeit verhinderte jedoch das geplante Treffen vorerst. Im Herbst diesen Jahres war es dann aber soweit und es kam zu der ersten Begegnung zwischen den Vertretern des Berliner Waisenhauses CASA PIO (Stiftung) und dem italienischen Fußballclub, CLUB ITALIA Berlin (heute Fußballabteilung des BSC Akademie der Wissenschaften e.V.). CLUB ITALIA nahm die freundliche Einladung der Stiftung CASA PIO im September an und besuchte bei sonnig warmen Wetter das wunderschön gelegene Waisenhaus in Berlin Dahlem.
Bei der Besichtigung der alten Villa, die Don Fraccari damals für italienische Waisenkinder und den nicht mehr rückführbaren älteren Italienern erworben hatte, wurde nicht nur die Historie des Hauses vorgestellt, sondern auch die heute dort wohnenden Waisenkinder und Jugendlichen, die grade zum Mittagessen zusammen gekommen waren und den Besuch von CLUB ITALIA herzlich begrüßten. Es war eine wirklich beeindruckende Erfahrung die wunderbaren Früchte der ehemaligen pastoralen Arbeit von Don Fraccari, der unmittelbar nach den Kriegswirren den Samen in die Erde des Berliner Anwesen gelegt hatte, heute drei Generationen später, in voller Reife sehen zu dürfen.
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Und weil man sich hierzu noch Vieles zu erzählen hatte, ging man ebenfalls beim Italiener von nebenan zum Essen. Schnell vertiefte man sich erneut in die Geschehnisse vergangener Zeiten und folgte den spannenden Spuren des gemeinsamen Gründervaters Don Fraccari, sowie seinem aufopferungsvollen Leben, Wirken und Werken in Berlin. Ein warmes, helles Licht schien auf diese damalige, triste Epoche zu fallen. Und so konnte jeder auf wunderbare Weise ergänzend neue Einblicke in die eigene Geschichte und die des Anderen gewinnen.
Beim Abschied hinterließ man im Namen von CLUB ITALIA den Kindern des Waisenhauses eine kleine Aufmerksamkeit. Man überreichte ihnen ein originales CLUB ITALIA Trikot im traditionellen Italia- „squadra azzurro“- blau. Ein weiteres CLUB ITALIA Trikot wurde für die unmittelbar bevorstehende Italienreise des 1.Vorsitzenden der Stiftung CASA PIO, Dr Martin Korte und seinen geplanten Besuch bei der Familie Fraccari in Verona übergeben. Dem Ehemann von Fraccari’s Tochter Laura Fraccari, Michael Wagener, passte das überreichte Trikot wie angegossen. (siehe Foto).
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Die kleine Bildergalerie zeigt sowohl den ersten Besuch von CLUB ITALIA im Berliner Waisenhaus, als auch die diesjährige Besuche vom 1.Vorsitzenden der CASA PIO Stiftung bei Familie Fraccari in Italien, sowie den Heimatort des Pastors Sant‘ Ambrosio di Valpolicella, wo vor dem Rathaus seine Gedenkbüste steht.
In Verona besuchte Familie Korte u.a. auch die Kirche Chiesa di Sant’Eufemia, in der Don Luigi Fraccari bis zu seiner Abreise nach Berlin als Pfarrer tätig war und wo er wegen der Not der Menschen im Kriegsjahr 1943 den Entschluss fasste seinem inneren Ruf zu folgen und trotz aller drohenden Gefahren nach Deutschland zu reisen.
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Hier im Garten des gegründeten Waisenhauses, das Don Fraccari damals mit zuvor erbetener finanzieller Hilfe durch Papst Pio XII erwerben konnte, durfte natürlich kein Fußball fehlen, womit die italienischen Waisenkinder nach den Schrecken des Krieges, neben der beherzten Für- und Seelsorge u.a. auch durch das Fußballspielen im Garten wieder ein wenig Freude im Herzen und am Leben selbst zurück gewinnen konnten. Einige Jahre später sollen hier in diesem Garten auch die Ideen einer richtigen italienischen Fußballmannschaft gereift sein. Und tatsächlich brachte Don Fraccari 1963 in Zusammenarbeit mit anderen ital. Landsleuten die erste offizielle italienische Fußballmannschaft in den Berliener Spielbetrieb an den Start, aus der später im Zusammenschluss mit anderen ital. Teams der CLUB ITALIA Berlino e.V. geboren wurde.
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Don Fraccari widmete sich auch noch vielen anderen ernsten Dingen des Lebens, wie z.B. Beerdigungen und Umbettungen in Deutschland gefallener italienischer Soldaten zu organisieren, wofür er einen italienischen Friedhof in Berlin errichtet hatte. Im Garten des Waisenhauses existieren noch heute einige unfertige Grabsteine verstorbener italienischer Militärinternierten.
Die Dienstwohnung von Herrn Schmelzer befindet sich im CASA PIO. Ein Teil der heutigen Wohnung war damals eine kleine Kapelle, die Fraccari einst herrichten ließ. Hierzu ließ Don Fraccari ein großes farbiges Mosaikfenster anfertigen, das den Franziskanermönch Franz von Assisi abbildet. Dieser berühmte Mönch von Assisi hatte im Mittelalter sein Leben den Armen und Leidtragenden gewidmet und dabei selbst wie diese Menschen gelebt. Das Monsigniore Don Luigi Fraccari, Franz von Assisi als Vorbild inne hatte und daher als Hauptmotiv für sein Glasfenster erwählte, wird in Anbetracht der ähnlichen Lebensgeschichte von Don Fraccari in Berlin wohl kein Zufall gewesen sein.
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Dieses bunte Mosaikfenster wurde später nach dem Umbau der kleinen Kapelle zu einer heutigen Dienstwohnung, nach Italien transportiert und dort zu Ehren von Don Fraccari’s Lebenswerk, seiner Heimatkirche Chiesa Sant’Ambrosio di Valpolicella bei Verona übergeben, Hier nahm man das Geschenk der Berliner CASA PIO Stiftung dankend an und ließ das Fenster aus der ehemaligen kleinen Waisenhaus Kapelle direkt in die Eingangstür der Veroneser Gemeinde einbauen, wo sie bis heute zu besichtigen ist.
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Wie man sieht, sind die Lebensgeschichten des veronesischen Paters in Berlin lebendig geblieben und wie das Schicksal so spielt wurde noch eine weitere Verbindung zu Don Fraccari entdeckt. Als CLUB ITALIA Präsident Mario Livolsi in 2019 zufällig seine Taufurkunde aus den 60iger Jahren in die Hand bekam, staunte er nicht schlecht als er feststellte, wer sie damals unterzeichnet hatte. Es war Monsigniore Don Luigi Fraccari! Nun ist auch unsere kleine Weihnachtsgeschichte rund geworden und wer weiß, welch Sinn und Segen für CLUB ITALIA darin verborgen liegt.
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Und ja, der Rahmen der nächsten Begegnungen zwischen dem Waisenhaus CASA PIO und CLUB ITALIA steht auch schon fest. CLUB ITALIA hat alle Waisenkinder im nächsten Frühling zu eines ihrer Top Heimspiele eingeladen. Natürlich mit einem anschließenden gemeinsamen Pizza Essen mit der 1. Herrenmannschaft von CLUB ITALIA. Die Unendliche Geschichte geht also weiter!
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Ferner hat man sich verabredet, das sich CLUB ITALIA der nächsten Italienreise anschließen wird, um zusammen Familie Fraccari in Verona zu besuchen.
CLUB ITALIA wünscht allen Freunden und Mitglieder eine frohe und gesegnete Weihnachten.