Die AZZURRI von Don Luigi, Engel von Berlin

By 10. November 2019Allgemein

ANTONIO GIULIANO

(freie Übersetzung aus dem Artikel der ital kath. Tageszeitschrift „AVVENIERE Milano“ vom 08.11.2019 )

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Den Auftakt zur unglaublichen Geschichte der „Tricolore“ und des ital. Fußballs im Herzen Berlins, sowie die Leinen dazu, gab ein furchtloser italienischer Priester: „Don Luigi Fraccari“.

Mit einer in Berlin im Jahre 1963 gegründeten, ersten ital. Fußball Mannschaft schrieb er das erste Kapitel der Fabel des späteren CLUB ITALIA Berlino, was seitdem, nicht nur für Sportler, sondern auch ganz allgemein zu einem Bezugspunkt für ausgewanderte Italiener in der deutschen Hauptstadt geworden ist.

Dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer spielt man in Berlin immer noch im Geiste und Namen vom veronesischen Priester (geb. 1909 – 2000), dem das Schicksal seiner Landsleute in Deutschland „im und nach“ dem 2. Weltkrieg sehr am Herzen lag.

In Anbetracht dessen, wurde der durch ihn in Berlin gegründete italienische Fußball heute, nach jahrzehntelangen sportlichen Wechselperioden von Glück und Erfolg, neu aufgestellt und wieder zurückgeführt zu dem Geist des Ursprunges.

Alles begann im Kriegsjahr 1943 nachdem Italien als ehemaliger Verbündeter des nationalsozial. Deutschlands am 8. September ’43 einen Waffenstillstand mit den Alliierten abschloss, woraufhin die deut. Wehrmacht hunderttausende italienische Soldaten entwaffnete und als „italienische Militärinternierte“ (IMI) zur Zwangsarbeit in deutsche Konzentrationslager deportierte.

Der 34-jährige Priester aus Verona, Don Luigi Fraccari, war davon so sehr betroffen, dass er in den Kriegswirren umgehend als Freiwilliger, (äußerst engagierter christl. Seelsorger, agiler Vermittler und Organisator), nach Deutschland ging. Er zögerte nicht, seine Heimat zu verlassen, um das Leid der italienischen Internierten, sowie das der Kranken, Waisen und Verletzten in der Fremde zu teilen.

Er hatte sofort mit einer beängstigenden Situation zu kämpfen: Zusätzlich zu den rund 120.000 Italienern, die bereits in Deutschland in Lager zur Zwangsarbeit interniert waren, fügten sie jetzt weitere über 600 Tausend (davon etwa 38 Tausend in Berlin) gefangene ital. Soldaten hinzu, die von der SS in Italien für die Gefangenschaft zusammengetrieben worden waren. Aber Don Luigi krempelte die Ärmel hoch und brachte Hilfe und Trost für die Internierten in den verschiedenen Konzentrationslagern.

In Berlin (nach Kriegsende) wurde er später dann auch Pfarrer aller Auswanderer und machte seine Stiftung, die „missione cattolica italiana“ zu einem Ort der Begegnung und Freundschaft. Nach dem Krieg hatte er auch die Intuition, ein Heim für Waisen und ältere Menschen ohne Familie und ohne Möglichkeit der Rückführung einzurichten.
So wurde 1949 die „Casa Pio XII“ mit geboren, (dank der von ihn erbetenen und erlangten Hilfe durch den Papst selbst), welche bis heute ein Aufnahmezentrum für benachteiligte Kinder ist.

Nicht einmal der Mauerbau hielt ihn auf. Don Luigi kam jeden Sonntag nach Ostberlin, um nicht den Kontakt zu den rund 800 Italienern zu verlieren, die nachdem sie Bürger der Ortes geheiratet hatten, dort mit ihren Familien lebten.

Und ja, in seinem Apostolat in Deutschland benutzte der „Engel der Deportierten“ auch den „Ball“:
Er nannte sich einen Unternehmer und ein Mann des Sportes, wie sein Freund „Andrea Fusaro“ (1933- 2017) mit dem er 1963 die historische erste italienische Fußballmannschaft „Gioventú Italiana“in Berlin gründete. Diejenige, die mit „Bel Italia“ verschmolzen später 1980 zu „CLUB ITALIA Berlino“ wurde, welche den Weg bis in die Kategorie des Profifußballs fand.

Ein italienischer Verein, der von 2016 bis 2019 den deutschen Fußball-Weltmeister (Italia ’90 WM) „Thomas (ICKE) Häßler“ als Cheftrainer engagierte. Häßler spielte mehrere Jahre in Italien in der ital. Serie A, bei Juventus und vor allem beim AS Rom.

In den letzten Jahren verlor der italienische Verein jedoch zunehmend den Kontakt zu seinen Wurzeln. Und so kam es im vergangenen Jahr zu einer Spaltung. Aus dem alten Club und der 1. Herren wurde „Berlin United“, die zweite Herren Mannschaft wurde zum neuen CLUB ITALIA Berlin. Eine Wiedergeburt dank der Leidenschaft von Mario Livolsi, 59-jähriger Unternehmer mit sizilianischem Ursprung: «“Der alte Verein – erklärt der neo-vulkanische Präsident – hatte die ursprüngliche Mission aus den Augen verloren. Dieser ital. Club wurde mit Sicherheit nicht gegründet, um Business oder Profisport um jeden Preis zu machen. Durch die alte Vereinspolitik war die Anwesenheit von Italienern marginal geworden. Über den Sport wollten wir stattdessen wieder ein Ausdruck der italienischen Gemeinschaft in Berlin sein, die heute aus rund 30 Tausend Menschen besteht und deutsch./ ital. Freundschaften pflegt“.

Zudem gibt es auch ein Versprechen zu ehren: «Mein Vater – führt Livolsi fort – kommt aus Favignana (Trapani), meine Mutter aus Berlin. Ich selbst bin aufgewachsen zwischen Sizilien/Italien und Deutschland. Andrea Fusaro Mitbegründer des Clubs, war der Taufpate meiner Schwester und für mich ein Familienmitglied, ein >Onkel<: ein toller Freund meines Vaters, die sich 1958 im Zug kennenlernten, der sie einmal zusammen nach Berlin brachte.
Vor zwei Jahren, kurz bevor er starb, bat er mich, CLUB – ITALIA am Leben zu erhalten. Dieser letzte Wusch bekam für mich dann natürlich eine große Bedeutung, u.a. aber auch weil Sport, bzw. Fußball ein wichtiges soziales Instrument sein kann, um das Abdriften von Jugendlichen zu verhindern». Also ein Engagement, das über den Sport hinausgeht. «Wir sind dabei eine Vereins- und Unternehmensstruktur aufzubauen, die Sport- und Kulturveranstaltungen organisiert, um interessierten Menschen auch ein wenig die italienische Kultur bekannt zu machen».

Gianni Capolei, 63, mitverantwortlich für das Marketing: „Damals, bei der Gründung des Clubs 1980 war ich der rechte Arm von Andrea Fusaro. Und als Jugendlicher habe ich die letzten Jahre von Don Luigi in Berlin miterlebt, wo er bis 1977 blieb: ein großartiger Mann, alle Italiener die ihn kannten weinen ihm bis heute nach.“
Ich erinnere mich an die ital. Weihnachtsfeiern im Konsulat, bei denen wir mit ihm die Unterstützung aller italienischen Restaurants mit eingebunden hatten, um bedürftigen Familien etwas zu geben.»

In der neuen Fußballsaison 2019/20 musste das ital. Fussballteam erneut in der Kreisliga C starten: «Eine Meisterschaft, die unserer ital. „Promozione Liga“ entspricht, erklärt der junge Trainer, Umberto Fabiano (27) aus Catania, der in diesen Sommer zu den „Azzurri” von CLUB ITALIA Berlin gerufen wurde – >>Im Team haben wir auch Deutsche, Türken und Polen usw., auch Italiener kommen wieder zurück und werden langsam immer mehr, obwohl viele, von ihnen in der Gastronomie arbeiten und deswegen Schwierigkeiten mit der Trainingsbeteiligung haben ».

Avantgardistische Strukturen und eine Bindung mit unserem Land (Italien), springen einem allein schon durch die blauen ITALIA -Trikotagen und dem erfolgreichen Logo sofort in die Augen: «Das individuelle Design der neuen Trikotagen wurden gleich als Erstes neu entworfen – enthüllt Livolsi -, der nebenbei auch Kunstmaler ist und bereits in jungen Jahren mit 15 Jahren mit Auftragsmalerei angefangen hatte, um sein erstes Geld zu verdienen.

CLUB – ITALIA Berlin, eine unendliche Geschichte!

 

Mittelbild :
CLUB ITALIA Berlin mit Präsident Mario Livolsi und Cheftrainer Umberto Fabiano (Sommer 2019)


Bild links: Historische Aufnahme (1963) der ersten ital. Squadra Azzura in Berlin gegründet von Don Luigi Fraccari (rechts) und Andrea Fusaro (links)

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